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Den ersten kleinen Schritt gehen
Waltraud Herschold, 18.03.2022
Träume, ja sicher habe ich Träume.
Haben wir alle.
Welt bereisen. Bücher schreiben. Tanzen wie eine Prinzessin. Irgendwas wirklich Gutes für die Welt
tun, irgendwas verändern.
Doch sobald ich näher über diese Ziele nachdenke oder vielleicht sogar den kleinen Prinzessinnen-
Zeh ins Wasser tauche, schreit Angst auf und versperrt meinem Blick. Mit einem Riesen-Poster, auf
dem steht:
DU WIRST VERSAGEN!
Und genau an diesem Punkt gebe ich auf. Viel zu oft, viel zu schnell. Verstecke meine Träume hinter
Türen, die sich nie öffnen und auf Leitern, die nirgendwo hinführen.
Aus Fehlern wird man klug, heißt es. Doch in Wahrheit schätzt niemand Situationen, in denen die
Dinge schiefgehen und man auf die Nase fällt. Niemand gesteht sich gern ein, eine falsche
Entscheidung getroffen zu haben, an einer Aufgabe gescheitert zu sein oder gar sein Lebensprojekt
in den Sand gesetzt zu haben. Ein Ziel zu verfehlen ist ärgerlich und schmerzhaft.
Dabei ist es doch leichter, anzufangen, als im Gestern zu verharren!
Dabei will ich doch kämpfen! Mein Schwert ziehen gegen den Drachen, der nicht Feuer speit,
sondern Bequemlichkeit, Perfektionismus und Angst auf mich spuckt.
Den ersten kleinen Schritt gehen, so klein, dass ich nicht NEIN dazu sagen kann.
Dass ich das Handtuch aufhebe, das ich sonst schon vor Runde Eins auf den Boden werfe und es
wenigstens versuche. Auch wenn’s anstrengend wird und ich scheitern könnte.
Und wenn ich scheitere, dann in meinem eigenen Spiel, nach meinen eigenen Regeln.
Ich sollte losgehen….
Heute noch….